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Stephan-Immanuel Teichgräber (r.)

Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur

Stephan-Immanuel Teichgräber ist ein Literaturwissenschaftler und Leiter der Verein “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur“. Dieser Verein bietet Informationen für Journalisten und Literaturwissenschaftler zu Literatur- und Kulturzeitschriften. Wir hatten ein Gespräch mit Hr. Teichgräber.

RESMiYE ASLAN

Wien“Die Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur“ mit Sitz in Wien bietet Informationen für Journalisten und Literaturwissenschaftler zu Literatur- und Kulturzeitschriften. Verfügt die Dokumentationsstelle über eine umfangreiche Sammlung von Literatur- und Kulturzeitschriften aus Österreich, aus Ungarn, aus der Slowakei und Tschechien, aus Polen, Kroatien, Serbien, Russland, Deutschland und Italien. Ein Gespräch Leiter der Dokumentationsstelle mit Stephan-Immanuel Teichgräber.

Wer ist Stephan-Immanuel Teichgräber, stellen Sie sich vor?

Teichgräber: Ich bin Leiter der Dokumentationsstelle und es gibt verschiedene Helfer, sowohl Studenten als auch ausgebildete Literaturwissenschaftler. Wir beschäftigen uns mit der Literatur von Mitteleuropa und Osteuropa. Ich habe russische Literatur studiert, mein Schwerpunkt liegt auf slawischen Sprachen. Ich habe mich zwar schon immer für die türkische Sprache interessiert, da es im Russischen sehr viele Turksprachige Lehnworte gibt. 

Was ist Mittel- und Osteuropa?

Teichgräber: Bei der Bestimmung von Mitteleuropa geh ich davon aus was die Menschen selbst denken. Die Menschen in der Schweiz rechnen sich genauso zu Mitteleuropa wie die Menschen aus Rumänien. Auch Menschen aus Holland oder Litauen bezeichnen sich als Mitteleuropäer. Nach der Bestimmung der Menschen ist Mitteleuropa wesentlich größer. Bei Osteuropa gehen wir vom 11. Längengrad aus und alles was davon östlich bis zum Ural liegt, ist eigentlich unser Bereich, so gehören die Italiener genauso dazu wie der Kalmück am Kaspischen Meer. Die Bestimmung ist sehr geometrisch.

Wann und warum wurde es diesen Verein “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur“ gegründet? Beschreiben Sie Ihren Verein?

Teichgräber: Wir haben den Verein 2000 gegründet und haben jetzt im 28. August den 17. Geburtstag gefeiert. Gegründet habe ich es damals mit drei Freunden: Beppo Beyerl, Franjo Bauer und Rifat Kurtagiç. Beyerl ist Schriftsteller, Bauer ist ein Kulturaktivist und Kurtagiç ist ein sehr kultur– und literaturinteressierter Architekt. Ein wichtiger Grund für die Gründung ist, dass in Österreich die Literatur der Nachbarländer wenig übersetzt ist. 

Wer bei uns mitarbeiten will, soll außer Deutsch eine osteuropäische Sprache können. Manche Germanistikprofessoren nehmen wir nicht auf, wenn sie keine osteuropäische Sprache können. Wenn beispielsweise jemand Türkisch spricht, kann er gerne mit uns arbeiten. Wir beschäftigen uns auch mit Philosophie, Geschichte, Soziologie aber auch Wirtschaftswissenschaft. Wir haben immer wieder philosophische Veranstaltungen, unser sogenanntes “Wiener Philosophisches Forum“.

Wir hatten von Oktober des vorigen Jahres bis August dieses Jahres eine Praktikantin, die mitgearbeitet hat. Sie schreibt eine Dissertation über einen polnischen Autor. Wir bieten ihr eine Arbeitsstelle, wodurch sie ihr Stipendium bekommen hat. In den vergangenen 17 Jahren haben 10 Personen regelmäßig bei uns gearbeitet.

Wir machen regelmäßig Workshops. Beispielsweise heuer machen wir jeden Mittwoch einen Workshop über Partisanenliteratur. Außerdem veranstalten wir immer im Mai ein Literaturfestival, das zwei Tage dauert. An diesen Tagen stellen wir neue Texte vor, die wir selbst übersetzen oder übersetzen lassen. Österreichische, ungarische, slowakische und tschechische Schriftsteller sind eingeladen. Wir haben außerdem einen Versuch mit Sprachwissenschaft gemacht, einen sogenannten experimentellen Sprachworkshop über “Zazaisch“. Bisher haben wir zwei Interessenten und hoffen auf weitere Teilnehmer.

Gibt es Zukunftsprojekte?

Teichgräber: Wir möchten die Arbeit ausdehnen, beispielsweise ein soziologisches Forum gründen und viele weitere Sprachen einbeziehen und die wichtigste, die wir nicht können ist Türkisch. Meiner Meinung ist das sehr wichtig, nur fehlen manchmal die finanziellen Ressourcen. In Wien gibt es einen türkischen Philosophen, der in Wien studiert hat und hier aufgewachsen ist aber nicht viel über die türkische Philosophie sagen kann. Das ist die Problematik, dass Türken, die hier aufgewachsen sind, uns oft nicht weiterhelfen können.

Ich denke, es wäre gut, wenn wir es schaffen könnten,  Schriftsteller/innen, Dichter/innen helfen zu können, die politisch verfolgt werden. Dabei denke ich nicht nur an die Türkei, sondern auch an andere Länder wie beispielsweise Russland.

Schreiben Sie selbst?

Teichgräber: Ich selbst bin in erster Linie Literaturwissenschaftler und schreibe wissenschaftliche Texte, aber ich möchte kein Schriftsteller sein. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man diese beiden Funktionen trennen sollte. 

Möchten Sie noch etwas ergänzen bzw. den Menschen mitteilen?

Teichgräber: In Metropolen wird in viel mehr Sprachen geschrieben, als auf dem Land. In Wien hat in den 80er-Jahren der bekannteste Science-Fiction Autor gelebt. Er war Pole. Er hat seine Werke auf Polnisch geschrieben. Erst viel später ist rausgekommen, dass er ein Immigrant in Wien war. So erging es vielen Autoren. Dasselbe wird auch bei türkischen Schriftstellern sein, welche gar nicht wollen, dass die Öffentlichkeit weiß, dass sie in Wien leben. (Weitere Info: www.univie.ac.at/doml/drupal/?q=de)

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resmiye.aslan1511@gmail.com  

09.11.2017


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