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Burcu Karakaş (zweite von links) und Irfan Aktan (rechts im Bild) bei der Veranstaltung “Pressefreiheit in der Türkei” in der Brunnenpassage.

#FreeTurkeyJournalists – warum jede Unterschrift zählt!

Burcu Karakaş und Irfan Aktan sind JournalistInnen in der Türkei. Bei ihrem Besuch in Wien berichteten sie über die besorgniserregende Situation für MedienmitarbeiterInnen und sprachen darüber, warum zivilgesellschaftliches Engagement und internationale Aufmerksamkeit so wichtig sind.

MASHA GHAFARI*

Wien - Vor vier Jahren wurden die Gezi-Park Proteste von der AKP ausgenutzt, um weitere “Regulationen” im ganzen Land durchzusetzen, erzählen die beiden. Seither gehe die Regierung gegen unabhängige Medien und JournalistInnen vor: Dutzende Medienhäuser wurden dicht gemacht, mehrere tausend MitarbeiterInnen entlassen. Viele kritische Stimmen mussten die Türkei verlassen.

Eine Gesellschaft ohne Journalismus ist eine Gesellschaft ohne Information

Irfan Aktan schreibt u.a. für Gazete Duvar und Express. Ziel der Regierung sei es, so Aktan, eine abschreckende Situation für die Bevölkerung zu kreieren, insbesondere für junge Menschen, von denen sich wohl kaum noch jemand trauen würde, diesen Beruf auszuüben. Das Vorgehen der Regierung im habe zur Folge, dass die Bevölkerung auf soziale Medien ausweicht, um Informationen zu bekommen. Aber auch diese werden immer wieder gesperrt. Personen, die Informationen in sozialen Medien zur Verfügung stellen, werden bedroht oder festgenommen.

“JournalistInnen selbst sind eigentlich keine HeldInnen. Sie berichten höchstens über HeldInnen – das ist ihr Beruf. Journalismus transportiert aktuelle Geschehnisse und berichtet für uns Menschen, damit wir uns ein Bild machen und eine Meinung bilden können. Auf Grundlage dieser Informationen können Menschen in einer bestimmten Sache als Bevölkerungsgruppe entscheiden, aktiv zu werden. Genau dem schiebt die AKP einen Riegel vor. Genau diese Stimmen hat sie in den letzten Jahren gedämpft”, so Aktan.

Warum unser Engagement so wichtig ist

Burcu Karakaş schreibt u.a. für Journalismusplattform Journo. Auf die Frage, was Menschen in sicheren Ländern, wo Meinungs- und Pressefreiheit herrscht, in dieser Situation tun können, meint Karakaş:

"Internationale Aufmerksamkeit und Kampagnen für die Beendigung der Repressionen gegenüber JournalistInnen sind enorm wichtig. Jeder Schritt, jede Unterschrift zählt! Außerdem können Sie hier berichten und protestieren, auch das ist sehr wichtig.”

Aktan fügt hinzu: “In der Türkei ist es fast unmöglich geworden, über diese Ungerechtigkeiten zu berichten. JournalistInnen sind auch SchreiberInnen der Geschichte. Die Regierung hat Archive der von ihnen beschlagnahmten Medien zum Teil gelöscht. Gleichzeitig gibt es in der Türkei immer weniger Möglichkeiten Journalismus zu betreiben. Die Menschen müssen und werden diese Erinnerungen aber behalten –auch wenn es eine Zeit lang in der Türkei nicht möglich sein wird, darüber zu berichten. Das ist vor allem ein Anschlag auf unser Gedächtnis. Daran, was heute in der Türkei passiert, sollen sich die Menschen nicht erinnern können. Aber das werden sie, oder glauben sie etwa, dass es möglich sein wird, Erinnerungen auszulöschen?”

 

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* Mahsa Ghafari ist Campaignerin bei #aufstehn. Sie war am 2. Juni bei der Veranstaltung der Brunnenpassage, “Pressefreiheit in der Türkei”, und hat mit den JournalistInnen gesprochen.Quelle: www.aufstehn.at, 07. 06. 2017


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