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[Foto: Mirjam Reither] Führt die Tiroler Landesliste der Grünen an: Berîvan Aslan.

Berîvan Aslan: Die Welt wird von Egomanen gesteuert!

In der Tageszeitung Die Presse wurde gestern ein Gespräch mit Berivan Aslan veröffentlicht. Die Interviewerin war Iris Bonavida. In der Die Presse wurde der Titel "Zielscheibe der Radikalislamisten" verwendet. Für unsere Leser veröffentlichen wir auch dieses Interview.

VON IRIS BONAVIDA / Die Presse / 26 Sep. 2017

Berîvan Aslan ist es gewohnt, Teil einer Minderheit zu sein. Sie war es eigentlich schon immer: Als sie als Kind zweier Kurden in der Türkei geboren wurde. Oder als sie im Alter von fünf Jahren nach Telfs zog. Ihr Vater, ein Menschenrechtsaktivist, hatte in Österreich um Asyl angesucht und seine Familie zu sich geholt. Wenn man so will, gehört Aslan heute auch einer politischen Minderheit an: den Grünen.

Die 35-Jährige hat keine leichte Aufgabe übernommen: Sie ist Spitzenkandidatin der Partei in Tirol. Theoretisch geht es für sie darum, die rund 15 Prozent der Nationalratswahl 2013 in dem Bundesland zu halten. In der Praxis wäre das aber wohl eine kleine Sensation. Immerhin liegen die Grünen derzeit in Umfragen im einstelligen Bereich. Das weiß auch Aslan selbst: “Die Ausgangslage ist eine schwierige.“ Das Wahlergebnis “kann ich leider wirklich nicht abschätzen“.

Trotzdem hätte Aslan das Angebot, als Listenerste in die Wahl zu gehen, wohl niemals abgelehnt. Und zwar aus mehreren Gründen. Einerseits, das hört man von Kollegen, steht sie gern in der ersten Reihe. Zwar nicht im Ausmaß eines Peter Pilz, aber doch. Andererseits, und das sagt sie selbst, “sehe ich es als meine Pflicht, eine Phase meines Lebens der Politik zu widmen“. Im Moment herrsche “eine massive populistische Atmosphäre in Europa, die Welt wird von Egomanen gesteuert“. Das mache es zwar schwierig für linke Parteien, mit Inhalten zu punkten. Aber man müsse trotzdem gegen gesellschaftliche Schieflagen ankämpfen.

Politisch war sie ihr Leben lang, auch wegen ihrer Wurzeln: “Ich hatte nie den Luxus, apolitisch zu sein“, sagt sie. Einer Partei, also den Grünen, gehört sie allerdings erst seit fünf Jahren an. In dieser Hinsicht ist Aslan eine Quereinsteigerin: “Als ich für einen Platz auf der grünen Liste kandidiert habe, war ich noch nicht einmal Parteimitglied.“ Das politische Angebot habe sie von der jetzigen Bundessprecherin, Ingrid Felipe, erhalten – man habe sich von Demonstrationen gekannt.

“Zu viel Schwarz-Weiß“

Die Themen, für die sie damals auf die Straße ging, sind ähnlich wie jene, die sie im Nationalrat betreut: “In meiner Teenagerzeit war ich vor allem in der Frauen- und Menschenrechtsszene aktiv.“ Später arbeitete die Juristin als Rechts- und Sozialberaterin (“Meine Wohnung war teilweise wie ein Kriseninterventionszentrum“) und als Übersetzerin im Bundesasylamt. Damals hatte sie das Gefühl, “dass vieles Schwarz oder Weiß gesehen wird“, es gab zu wenig Einsicht in das Leben der Menschen. Zum Teil habe sie den Menschen den Unterschied zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten erklären müssen.

In der vergangenen Legislaturperiode organisierte sie Delegationsreisen in die Nähe der syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane, beschäftigte sich mit der Bekämpfung des politischen Islams. Wobei sie nicht immer so offensiv an die Öffentlichkeit gehen konnte wie geplant: “Ich wurde schnell zur Hasszielscheibe der Radikalislamisten“, sagt sie. “Die Hälfte der Legislaturperiode habe ich mit dem Verfassungsschutz verbracht.“ SPÖ-Klubchef Andreas Schieder, mit dem sie in Kobane war, zählt sie zu den “zehn bis 15 Abgeordneten anderer Fraktionen, mit denen man am Rande eines Sitzungstages einen Kaffee trinken kann“. Ideologisch sei sie nicht weit von der SPÖ entfernt. “In ihr steckt ein rotes Herz.“

Das Thema politischer Islam ging Aslan vor allem mit ihrem damaligen Parteikollegen Pilz an, der sie noch immer als “wichtige Freundin und tolle Abgeordnete“ bezeichnet. “Hätte ich keine eigene Liste, würde ich ihr meine Vorzugsstimme geben.“ Er hoffe jedenfalls, dass sie beide im Parlament sitzen. Aslan selbst hofft das übrigens auch – immerhin hat sie Sympathien für politische Minderheiten.

 

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diepresse.com


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