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Das ist ein Angriff auf die Menschenwürde!

BERIVAN ASLAN

BERIVAN ASLAN

Ich kann mich noch gut an die Nachricht vor zwei Jahren erinnern: "Bitte tun Sie etwas, eine Gruppe von Barbaren, die Menschen abschlachten, greifen Sinjar(Sengal)- an! Ich habe viele Leute verständigt, aber ich bekam keine Antwort. Sie können mich verstehen, weil Sie Kurdin sind.“

Schock! Ich war perplex. Wie eine Wahnsinnige durchwühlte ich Google und versuchte über Telefonate zu erfahren, was da los war: Keine Information! Dann bekam ich noch weitere ähnliche solcher Nachrichten, durch die mir klar wurde, dass das kein Scherz sein kann.

Tagelang versuchte ich Informationen zu sammeln, verständigte ein paar Journalistinnen, aber es gab fast keine Berichterstattung.

Erst nach Tagen wenn nicht nach einer Woche, kamen die ersten Berichterstattungen. Diese “Barbaren, die Menschen abschlachten“ war der IS, eine menschenverachtende Organisation. Die den Islam missbraucht, um an Geld, Macht und Territorium zu kommen. Ich weiß bis heute nicht, warum es tagelang oder sogar wochenlang keine effektiven Reaktionen auf diese Situation gab. Wahrscheinlich dachten sich viele, das ist “eh normal im mittleren Osten oder in Kurdistan“.

Die Führung des IS hatte es für “halal“ (glaubenskonform) erklärt, “Ungläubige“ zu vernichten. Betroffen davon sind ChristInnen, EzidInnen, KurdInnen, TurkmenInnen, AramäerInnen, ArmenierInnen, AssyrierInnen und viele weitere Gruppen.

Am 3.August.2014 massakrierte der IS auf grausamste Art und Weise Tausende von Menschen und diejenigen, die in die Berge geflüchtet waren, hatten auch keine Überlebenschance. In der Sommerhitze sind auch viele Kinder und alte Menschen verhungert oder verdurstet.

Mehrere tausende Frauen jesidischer, kurdischer und christlicher Abstammung wurden von dem IS entführt, versklavt, vergewaltigt und verschleppt. Eine systematische Massenvergewaltigung verfolgt die Absicht, eine Atmosphäre des Terrors und der Furcht zu verbreiten. Diese Absicht verfolgte auch der IS. Viele nahmen sich das Leben, weil sie nicht vergewaltigt werden wollten.

Wofür haben wir die UN-Frauenrechtskonvention? Wofür haben wir internationale Organisationen, die sich für Frauen- und Menschenrechte einsetzen, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, diese Frauen zu finden oder zu schützen?

Das ist nicht nur ein Angriff auf die Menschen- und Frauenrechte, sondern auch auf die Menschenwürde.

Die Waffenexporte müssen gestoppt werden, die Finanzquellen dieser menschenverachtenden Politik müssen gestrichen werden, alle Staaten die, diese Brutalität geduldet haben müssen zur Rechenschaft gezogen werden und der Friedensprozess muss wieder eingeführt werden.
 
Bis heute wurde de facto für diese entführten Frauen und Mädchen nichts getan. Viele sind wahrscheinlich gestorben, andere werden immer noch auf Sklavenmärkten verkauft oder dienen dem IS als Sexsklavinnen. Das ist eine Schande für die Menschlichkeit.

Ich versuchte mein Bestes zu geben, um den Frauen vor Ort eine Stimme zu geben und sie nicht im Stich zu lassen. Nicht nur als Politikerin, sondern primär als Frau und als Mensch!
Diejenigen, denen es nicht passte, dass ich mich für diese Sache stark machte, warfen mir vor, dass ich mich als österreichische Abgeordnete nicht um die “Kurden“ außerhalb unserer Grenzen kümmern sollte.

Für den IS bin ich zu weit gegangen und ich bekam damals eine Morddrohung auch von ihm. Trotz dieser Morddrohung des IS flog ich zusammen mit Klubobmann Andreas Schieder und der ÖVP-Menschenrechtssprecherin Elisabeth Pfurtscheller in die Krisengebiete, um die humanitäre Situation an der syrischen Grenze zu eruieren.

Das Massaker an die JesidInnen und weiteren Gruppen wurde leider von der internationalen Gemeinschaft ignoriert. Sie haben sich erst dafür interessiert, als diese Menschen vor den Türen Europas standen. Diejenigen, die bei den Kriegen bewusst weggeschaut haben, sind heute diejenigen, die sich über die Flüchtlinge, über Menschenrechts- und FrauenrechtsaktivistInnen aufregen!

Heute werde ich von rechtsextremistischen Muslimen als “Terroristin“ beschimpft.
Heute wollen rechtsextremistische Christen, dass ich als “Ausländerin“ zurück "in meine Heimat“ gehen soll.

Beide Gruppen wollen mir keine politische Plattform geben, weil ich ihnen unangenehm bin und die Wahrheit ins Licht bringe. Durch diese Vorgehensweise wollen sie auch alle HumanistInnen, Frauen- und MenschenrechtsaktivistInnen einschüchtern.

Im Parlament oder außerhalb des Parlaments wird mein unermüdlicher Einsatz für Frauen- und Menschenrechte nicht enden. Wie denn? Das ist meine menschliche Verantwortung.

Ich will der zukünftigen Generation in die Augen schauen können, wenn ich gefragt werde, was ich getan habe, als tausende Frauen vergewaltigt wurden, Menschen flüchten mussten und die Menschenrechte mit den Füßen getreten worden sind. Ich will in Würde sterben, wenn ich zurückblicke...


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3. August 2016, Berivan Aslan / facebook



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